Eduard Künneke
Der Vetter aus Dingsda
Sächsische Zeitung
22.10.01
Wo ein dumpfer, Axtschlag
das Schicksal besiegelt
„Der Vetter aus Dingsda“ als Fleischer-Klamotte
Von Jens Daniel Schubert
Dass Onkel und Tante, die man am liebsten von hinten sieht, in einer
Metzgerei leben, die auch aus ahnungslosen Kunden Fricandeau macht, mag nicht
jedermanns Geschmack sein. Im Görlitzer Theater ist dieser Gruselschocker
der Rahmen für Künnekes Operette „Der Vetter aus Dingsda". Jan-Richard
Kehl inszenierte slapstik--orientiert und ohne die große Klamottenkiste
zu schonen, hervorragend unterstützt durch schwungvolle Choreografien
von Sylvia Zygouris.
Effektvoll und witzig sind auch das Bühnenbild
von Jutta Spitzer und die Kostüme der Ulrike Stelzig-Schaufert.
Rundum überzeugend die gesamte Ensembleleistung, stimmlich auf dem
Punkt und schwungvoll bis romantisch, mit einem Schuss Ironie versteht sich
begleitet von der Neuen Lausitzer Philharmonie unter Milos Kreijci.
Judith Kuhn gibt eine reizende Julia, die bei aller Spielfreude ihrer Figur,
dem romantisch– schwärmerischen Mädchen, die Treue hält. Ihr
Partner, der erste Fremde, der nur ein armer Wandergesell ist, war zur Premiere
Carsten Süß, die Doppelbesetzung ist Frank Ernst. Ebenso wie Judith
Kuhn beherrschte Süß den Spagat zwischen Comedy und Glaubhaftigkeit.
Beide bilden auch stimmlich den erwarteten Höhepunkt. Hannchen, Julias
Freundin, die auch einen Fremden, der, als Nicolausgeschenk vom Himmel fällt,
abbekommt, wird temperamentvoll, von Astrid Werner gegeben. Ihr Partner ist
Frank Ernst, in der Doppelbesetzung Ingo Wasikowski, der sich zur Premiere
als Onkel Josse durchfraß, mütterlich assistiert von Wimpel (Birgitt
Baumann). Während Hans-Peter Struppe als von Wildenhagen sich zu wandeln
versucht, um doch noch bei Julia zu landen bleiben die Diener Karl und Hans
(Dirk Dreißen und Hans Anacker) immer gleich: gummibeschürzte Gesellen,
die jeden, der nicht aufpasst ins Kühlhaus schubsen, wo ein dumpfer
Axtschlag das Schicksal besiegelt...
Nach anfänglicher Zurückhaltung amüsierte
sich das Görlitzer Premierenpublikum prächtig und applaudierte lang
anhaltend über die Geschichte von den Fremden, die eigentlich Vetter
sind und den Richtigen, der sich als der Verkehrte entpuppt, wobei der Verkehrte
aber für alle am Schluss dann doch wieder der Rechte ist, weil der Onkel
... Aber das sollte man sich ansehen.
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