Wertvolle Inszenierung: Joppe und Gummistiefel wecken Symphatien
Eigentlich war es fast nur eine Trotzreaktion des als notorischen "Wagnerianer" verschrieenen Bedrich Smetana, eine komische Oper zu schreiben. Aber sie wurde ein großer Erfolg und erfreut sich seit ihrer Uraufführung in Prag 1866 zunehmender Beliebtheit.- Die verkaufte Braut. Mit der Aufführung der Oper, die vorige Woche im Zwickauer Gewandhaus ihre Premiere feierte, landete das Ensemble wieder einen großartigen Treffer.
Immer das liebe Geld. Da hatte sich der Bauer Kruschina (Reinhard Hein) beim reichen Grundbesitzer Micha (Werner Rautenstengel) total verschuldet. Um aus dieser Misere herauszukommen, willigte er in den Deal ein, seine Tochter Marie (Katrin Kapplusch) an den etwas infantilen Sohn Michas, den jungen Wenzei (Michael Bielefeld) zu verheiraten. Doch Marie liebt den Hans (Kai Konrad), einen jungen, der aus nirgendwo hergekommen war und nun in der Dorfkneipe arbeitet. Das macht die ganze Sache schwierig, denn Marie weiß ganz genau, was sie will. Deshalb muß der schlitzohrige Heiratsvermittler Kecal (Hasso Wardeck) her. Und der weiß natürlich ganz genau, daß sich mit Geld (fast) alles regeln läßt. Also nimmt er den Hans beseite und macht ihm klar "Ohne Geld, ohne Geld ist alles Tand", und "Ich weiß ein Mädchen, das hat Dukaten". Hans geht zum Schein auf Kecals Vorschlag ein, seine Ambitionen auf Marie gegen Zahlung von 300 Gulden aufzugeben. Ein Vertrag wird aufgesetzt, in dem Hans seine Bedingung fixieren läßt, Marie dürfe aber nur ausschließlich den Sohn Michas heiraten.
Nun platzt die Bombe: Hans ist der Sohn Michas aus erster Ehe, der wegen der Schikanen seiner Stiefmutter für lange Zeit das Weite gesucht hatte. Also, Ende gut, alles gut, zumal Wenzel zwischenzeitlich Esmeralda (Ellen Haddenhorst-Lusensky),das ganz reizende weibliche Mitglied einer wandernden Schauspielertruppe kennengelernt hat.
Eine komische Oper, zweifellos, aber wer mit der Erwartung auf, Klamauk und potenziertem Unsinn gekommen war, mußte sich revidieren. Die Handlung spielt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in einem böhmischen Dorf. Es war die erklärte Absicht des Regisseurs Jan-Richard Kehl gewesen, das dörfliche Milieu realistisch, die Handelnden nicht als komische Figuren darzustellen. Es sind rechtschaffende Landbewohner, Bauern, die gestern wie heute, ihr charakterisches Image zeigen, einfache sympathische Leute in Joppe und Gummistiefeln. Das macht die eher etwas nachdenkliche Aufführung besonders wertvoll. Die Komik entsteht aus den Situationen während der Handlung. Auch der stotternde Wenzel ist nicht der Kreti, als der er oft dargestellt wird, es ist ein etwas weltfremder harmloser, aber überaus sympathischer Junge in seiner kleinen Welt.
Für diese Auffassung gebührt dem Regisseur Jan-Richard Kehl ein besonderes Lob. Ganz hervorragend jedoch waren ebenfalls die musikalischen wie schauspielerischen Leistungen aller Mitwirkenden. Absoluter Star des Abends war Katrin Kapplusch, die neben ihrer wie gewohnt hervorragenden stimmlichen und emotionalen Interpretation eine großartige Marie spielte, glaubwürdig in ihren Stimmungen zwischen kraftvollem Wollen, tiefer Verzweiflung und zornigem Auflodern. Sehr gut waren ebenfalls die sängerischen wie schauspielerischen Leistungen Kai Konrads als "Mädchenhändler" Hans, des ebenso kraftvollen, selbstherrlichen wie aufdringlichen Kecal, Hasso Wardeck, die der wie immer spritzig-temperamentvollen Ellen Haddenhorst als Esmeralda und im Kontrast dazu die des schüchternen aber liebenswürdigen Wenzel. Eine insgesamt hervorragende Ensembleleistung, an der die äußerst präzise und jeder Phase der Handlung sehr angepaßte musikalische Begleitung des Philharmonischen Orchesters unter Generalmusikdirektor Welisar Gentscheff einen ganz entscheidenden Anteil hatte. Beeindruckend auch die Leistungen von Chor und Singakademie in der Einstudierung von Roland Menkhoff sowie die tänzerischen Einlagen (Bronislav Roznos). Die Ausstattung und das Bühnenbild stammen von Stefanie Pasterkamp, die Beleuchtung hatte Gerrit Jurda. Für die musikalische Einstudierung zeichneten MD Albrecht Hofmann und Markus Kosel, für die Dramaturgie Thomas Gsteiger verantwortlich.
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