Voll Mitleid, Zorn und Erschrecken
Giuseppe Verdis "Räuber" am Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen
Von DORA GEBAUER
Leidenschaftlich gestaltet Verdi in den "Räubern" die Schillerschen
Charaktere: Franz Moor, den Machtbesessenen mit brutalen Zügen und
dennoch nicht frei menschlicher Gefühle wie Liebe und Angst - Karl
Moor, den Studenten, aus Verbitterung Hauptmann seiner Räuberkommilitonen
geworden, in ständigem Zwiespalt über die moralische Rechtfertigung
seines Tuns. Amalia, die Karl liebte, als eine Fremde in dieser Welt, ganz
ihren Gefühlen lebend, und Maximilian Moor als vereinsamten Vater,
einen zerbrochenen Mann.
Unter der souveränen musikalischen Leitung von Friedemann
Schulz wurden das Solistenensemble und der Chor durch das
Orchester der Neuen Lausitzer Philharmonie sicher
geführt.
Diese Oper kommt dem Publikum nicht wie manche andere Verdis mit sofort im Ohr bleibenden Melodien entgegen, wohl aber stark emotional in der Fülle leidenschaftlich gestalteter Kontraste. Sie auch in der Einheit von gesanglichem Können und gestisch-mimischer Darstellung ausdrucksstark zu vermitteln, gelang in großem Maße.
Daniel Mucedu gab einen leidenschaftlichen Karl Moor. Elmar Andree verkörperte mit sängerisch, ausgewogenem Können Franz Moor. Danuta Debski erfüllte die Figur der Amalia mit vielen Klangnuancen und stilistischer Wandelbarkeit Thomas Olgivie als Vater wirkte mit bemerkenswerter Darstellung bei sonorem Stimmklang. Alfred Feilhaber als Roller zeigte sich als Liebenswerter unter den Räubern mit Frische und Spielfreudigkeit und Peter Koppelmann als Diener Hermann ganz der Rolle angepaßt auch in klarer sprachlicher Diktion und Tongebung.
Jan Richard Kehl inszenierte die Oper mit Tempo und auch genügend Raum für Besinnlichkeit. Die Chöre, ein wichtiger Fakt in dieser Oper, wurden wirkungsvoll geführt. Klangstark wirkten die Männerchöre, wobei die Bässe an Artikulation gewinnen könnten, sensibel der Frauenchor (Einstudierung Anita Däbritz). Die Idee des Einfügens von "Gedankenfiguren" unterstützte den Sinn der Handlung. Ob aber auch die Ouvertüre so "erhellt" werden muß, sei dahingestellt. Das Auftreten des "Dichters" selbst (Lutz Hillmann) mit Worten Schillers zur Moral des Stücks verfehlte nicht seine Wirkung.
Das Bühnenbild (Ulrike Sigrist) stellte einen stilisierten Wald, Symbol der Freiheit, dar, der das Spiel in verschiedenen Ebenen ermöglichte, aber auch Einengung assoziierte. Daß diese gerade die letzte Szene bestimmte, ließ die Grenzen der durch die Räuber erworbenen Freiheit ahnen.
Fazit
Das Bautzener Theater wählte, eine wenig gespielte Oper, die auch
erst 80 Jahre nach ihrer grandiosen Uraufführung in Deutschland zur
Aufführung kam. Das Künstlerensemble stellte sich dieser Herausforderung
mit Erfolg.
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