Opernglas 06/1998

Die Musiktheater-Sparte des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters Bautzen, die seit einigen Jahren im Stagione-Betrieb arbeitet, erregt mit Produktionen seiten gespielter Werke überregional Beachtung. Ende März ist Verdis Schiller-Vertonung »Die Räuber« zur Premiere gebracht worden. Chefregisseur Jan-Richard Kehl inszenierte das Stück als Familiendrama in der räumlichen und geistigen Enge eines bürgerlichen Wohnzimmers und versuchte zu verdeutlichen, daß Fluchtbewegungen in den Wald keine befreiende Wirkung haben, da der Mensch auch dort einem beengenden Mikrokosmos (in diesem Fall den Räuber-Regeln) unterworfen ist. Das Szenenfoto aus dem dritten Akt zeigt, wie Karl (Daniel Mucedu mit strahlkräftigem Tenor) und Amalia (souverän in Spiel und Gesang: Danuta Debski) im Liebesduett, der Enge zu entkommen suchen. Die ungewöhnliche Ästhetik der Inszenierung ist vor Ort nicht nur auf Zuspruch gestoßen. Für die im Rahmen eines Kooperationsvertrages
vorgesehenen Gastspiele im Görlitzer Theater hat Lutz Hillmann, der nach
der Entlassung von Intendant Reinhard Hellmann kommissarisch das
Bautzener Theater leitet, Veränderungen an der Produktion in Auftrag
gegeben und damit auf Bedenken des Görlitzer Intendanten Wolfgang
Schaller reagiert.


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