Stephen Sondheim
Into The Woods
musicals,
08/2004
Unbestritten ist Stephen Sondheim die Ikone des kommerziellen Musiktheaters
Amerikas. Seine Stücke sind keine seichte Unterhaltung, sondern dramaturgisch
und musikalisch raffiniert strukturiert suchen sie den Dialog mit dem intelligenten
Zuschauer und stehen vielleicht deshalb viel zu selten auf den Spielplänen
deutscher Stadttheater. Der Musicalklasse der Hochschule für Musik und
Theater Leipzig unter der kreativen Leitung von Prof. Uta Ernst ist
es zu danken, dass das Leipziger Publikum nun zum ersten Mal einem Bühnenstück
dieses Komponisten begegnen kann. Und das Publikum folgt gern und scharenweise
der Aufforderung: 'Ab in den Wald' ('Into The Woods'). Regisseur Jan-Richard
Kehl erzählt die Geschichte von Aschenputtel, Hans im Glück,
dem Bäcker und seiner Frau, Rotkäppchen, Rapunzel und der Hexe
als philosophisches Märchen für Erwachsene. Dem vielköpfigen
Ensemble entlockt er Witz, Komik und Albernheiten, die für die notwendige
Fallhöhe der Figuren im zweiten Teil der Aufführung sorgen, denn
auch bei 'Ab in den Wald' gilt: nichts ist so, wie es einmal war, und ein
Ende ist nicht immer gut. Kehl hat die geniale Textvorlage von James
Lapine (deutsch: Michael Kunze) ganz behutsam aktualisiert. Damit gewinnt
er neue Sichten auf Figuren, die sehr kraftvoll in das Heute weisen. Selbst
die Kuh vom Hans wird leibhaftig und Dorothea Tausch erntet für ihre
Darstellung Szenenapplaus. Erstaunlich ist ohnehin, mit welcher Bühnenpräsenz
und Professionalität die dreistündige Aufführung abläuft.
Dabei sorgen Miriam Dusza als Aschenputtel, Nadin Isu als Hexe,
Marco Fahrland als Hans, Maike Schmidt als seine Mutter, Olivia
Wendt als Rotkäppchen und Renate Knollmann als Bäckersfrau
auf der Suche nach dem Glück und dem Sinn des Lebens für Glanzlichter
der Inszenierung.
Kehl findet für den schwarz ausgehangenen Bühnenraum
(Bühnenbild und Kostüme: Marlis Knoblauch) wunderbare Arrangements,
die die fehlenden technischen Bedingungen des Hauses vergessen machen. Unterstützt
wird er dabei auch von Lynnda Curry, die für die Choreografie
der Aufführung verantwortlich ist. Stephan König leitet
das Westsächsische Symphonieorchester und man merkt, den Musikern macht
es hörbar Spaß, den verschlungenen Pfaden der Sondheim'schen Partitur
zu folgen. Theaterdirektoren muss es bei solchen Absolventen um die künstlerische
Qualität des Bühnennachwuchses nicht bange sein. Weitere Aufführungen
dieser Produktion sind für den Herbst in Planung. Unbedingt einen Besuch
vormerken!
Lutz Hesse
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