Sächsische Zeitung, Hoyerswerda, 23.09.00

Giuditta, tränenreich heiter-trauriges Musiktheater in der Lausitzhalle mit Lehar-Operette

von Jost Schmidtchen

Die erste Operettenaufführung der neuen Spielzeit in der Lausitzhalle durch das Theater Görlitz war zugleich dessen letzte Inszenierung: Die Premiere fand am 17, September statt (und schon vier Tage später konnten die Besucher in Hoyerswerda Franz Lehars letzte Operette die er komponierte erleben. Wie andere Operetten Lehars am Ende seiner Komponistenlaufbahn endet auch "Giuditta" tränenreich: Octavio, ein Hauptmann (Daniel Mucedu) vermag es nicht, trotz seiner Fahnenflucht von der Truppe, das Herz von Giuditta (Yvonne Reich) für, ein Leben lang zu erobern. Die Operette gehört zu den Werken von Lehar, auf deren Aufführung wir in vergangenen Jahrzehnten hierzulande verzichten mussten. 1934 uraufgeführt und inhaltlich mit dem Soldatenalltag verbunden, in dem es um die Bekämpfung Aufständischer in Afrika geht, das passte nicht in die Landschaft, zumal Urlauber und Soldaten gemeinsam mit einem Schiff nach Afrika aufbrechen. Obwohl, wie das Programmheft vermerkt, der Grundkonflikt zwischen Pflicht und Liebe, die unverhüllte Darstellung eines Offiziers, der aus Leidenschaft fahnenflüchtig werden will, Giuditta nicht zum Lieblingswerk der Nationalsozialisten machte. Heute haben wir von derartigen Bewertungen etwas Abstand gewonnen, was für uns zählt, Ist die Tatsache, dass solche bekannten Werke wieder auf den Bühnen erscheinen, Zur Popularität von "Giuditta" trägt besonders die melodiöse Musik Franz Lehars bei. Arien wie "Freunde, das Leben Ist lebenswert", "Oh Signora, Signorina" oder der Tango "Schön wie die blaue Sommernacht" verdeutlichen auch das Zeitgefühl und Gespür des Komponisten für die 30er Jahre. Die Aufführung des Theaters Görlitz in der Inszenierung von Jan-Richard Kehl wusste durchweg zu gefallen. Unter der musikalischen Leitung von Myron Michailidis spielte die Neue Lausitzer Philharmonie. Der Chor des Theaters Görlitz und die Mitglieder von Coruso, Görlitzballett waren den im wesentlichen mittleren Aufgaben gut gewachsen. Auch für die sängerischen Leistungen gab es viel Beifall. Genannt seien die zwei Paare Giuditta und Octavio sowie Anita (Astrid Werner) und Pierrino (Frank Ernst), der zugleich in einer Doppelrolle auch einen Pfleger verkörpert, Hans-Peter Struppe blieben in der Aufführung drei Nebenrollen beschieden, hervorgehoben seien auch Ingo Wasikowski als Leutnant Antonio. Alexander Kokoev als lbrahim und Stefan Bley als Professor Martini. Da es bei " Giuditta" kein rauschendes Finale gibt wie bei anderen Operetten, sondern ein recht sentimentales, blieb zunächst auch der Beifall verhalten. Erst nachdem sich der Bann gelöst hatte, applaudierten die 500 Lausitzhallenbesucher dann langanhaltend und herzlich für die schöne Aufführung zum Beginn der neuen Spielzeit.
 
 





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