Giuditta, tränenreich heiter-trauriges Musiktheater in der Lausitzhalle mit Lehar-Operette
von Jost Schmidtchen
Die erste Operettenaufführung der neuen Spielzeit in der Lausitzhalle
durch das Theater Görlitz war zugleich dessen letzte Inszenierung: Die
Premiere fand am 17, September statt (und schon vier Tage später konnten
die Besucher in Hoyerswerda Franz Lehars letzte Operette die er komponierte
erleben. Wie andere Operetten Lehars am Ende seiner Komponistenlaufbahn endet
auch "Giuditta" tränenreich: Octavio, ein Hauptmann (Daniel Mucedu)
vermag es nicht, trotz seiner Fahnenflucht von der Truppe, das Herz von Giuditta
(Yvonne Reich) für, ein Leben lang zu erobern. Die Operette gehört
zu den Werken von Lehar, auf deren Aufführung wir in vergangenen Jahrzehnten
hierzulande verzichten mussten. 1934 uraufgeführt und inhaltlich mit
dem Soldatenalltag verbunden, in dem es um die Bekämpfung Aufständischer
in Afrika geht, das passte nicht in die Landschaft, zumal Urlauber und Soldaten
gemeinsam mit einem Schiff nach Afrika aufbrechen. Obwohl, wie das Programmheft
vermerkt, der Grundkonflikt zwischen Pflicht und Liebe, die unverhüllte
Darstellung eines Offiziers, der aus Leidenschaft fahnenflüchtig werden
will, Giuditta nicht zum Lieblingswerk der Nationalsozialisten machte. Heute
haben wir von derartigen Bewertungen etwas Abstand gewonnen, was für
uns zählt, Ist die Tatsache, dass solche bekannten Werke wieder auf den
Bühnen erscheinen, Zur Popularität von "Giuditta" trägt besonders
die melodiöse Musik Franz Lehars bei. Arien wie "Freunde, das Leben
Ist lebenswert", "Oh Signora, Signorina" oder der Tango "Schön wie die
blaue Sommernacht" verdeutlichen auch das Zeitgefühl und Gespür
des Komponisten für die 30er Jahre. Die Aufführung des Theaters
Görlitz in der Inszenierung von Jan-Richard Kehl wusste durchweg zu gefallen.
Unter der musikalischen Leitung von Myron Michailidis spielte die Neue Lausitzer
Philharmonie. Der Chor des Theaters Görlitz und die Mitglieder von Coruso,
Görlitzballett waren den im wesentlichen mittleren Aufgaben gut gewachsen.
Auch für die sängerischen Leistungen gab es viel Beifall. Genannt
seien die zwei Paare Giuditta und Octavio sowie Anita (Astrid Werner) und
Pierrino (Frank Ernst), der zugleich in einer Doppelrolle auch einen Pfleger
verkörpert, Hans-Peter Struppe blieben in der Aufführung drei Nebenrollen
beschieden, hervorgehoben seien auch Ingo Wasikowski als Leutnant Antonio.
Alexander Kokoev als lbrahim und Stefan Bley als Professor Martini. Da es
bei " Giuditta" kein rauschendes Finale gibt wie bei anderen Operetten, sondern
ein recht sentimentales, blieb zunächst auch der Beifall verhalten.
Erst nachdem sich der Bann gelöst hatte, applaudierten die 500 Lausitzhallenbesucher
dann langanhaltend und herzlich für die schöne Aufführung
zum Beginn der neuen Spielzeit.
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