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In der sächsischen Schmuddelecke
Von Martin Linzer
(...) Die vom verstorbenen Oberspielleiter Dr. Poch initiierte Spielplanlinie der "Ausgrabungen" hat sich bewährt, beim Publikum durchgesetzt und wird vom jungen Jan-Richard Kehl fortgesetzt, der die stagione bis zu ihrem Auslaufen leiten wird. Auch seine "Fledermaus" läßt tradierte Publikumserwartungen zunächst außer acht.
Die Inszenierung wirkt in der Region wahrscheinlich
so provokant wie Castorfs in Hamburg (ist der Wischeimer im 1. Akt eine
hommage an C.?), aber Kehl hat imgrunde nicht mehr getan, als den Widerspruch
zwischen der Walzerseligkeit der Musik und der Trivialität der Fabel
aufzuspüren und szenisch umzusetzen. So ist der Salon bei Eisenstein
von erschreckender Miefigkeit, und die Party bei Orlofsky scheint auf einem
Hinterhof zu spielen, was für die Extravaganz des Fürsten spricht
(aber auch die Verwandlung in das Gefängnis erleichtert). Der deutlich
der Russen-Mafia zugeordnete Orlofsky ist zwar vermögend, Sekt und Kaviar
kommen schubkarrenweise, aber gesellschaftlich offenbar weniger renommiert,
sein Benehmen entspricht ja auch kaum den Anstandsregeln, die für Wiener
Hofbälle bis heute gelten. Das ist mit einigen Längen, aber insgesamt
mit viel Spaß und ohne Beschädigung der Musik - was viele Besucher
wieder versöhnt - von einem sympathischen jungen Ensemble dargeboten
(für Irritation, auch in höchsten Kreisen der Region, sorgte der
Einfall, im Festbild eine inzwischen abgewickelte und eine real existierende
Nationalhymne kurz zu zitieren, nun ja). Das Bautzener Musiktheaterangebot
war in den letzten Jahren als anregende Ergänzung zum Angebot des Görlitzer
Musiktheaters angelegt, wurde insgesamt auch so angenommen. (...)
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