von Irene Tüngler
(...)Görlitz wird die Führung übernehmen
im vereinigten Musiktheaterbetrieb der gemeinsamen Kunstanbieter. Das hat
seine Logik, denn das Görlitzer Theater war schon vor der Wende ein reiner
Musiktheaterbetrieb. Auch die wichtige Sparte Ballett konnte dort bislang
überleben und erfreut sich der schützenden Hand des Intendanten.
Aber Wolfgang Schaller hat interessante Widersprüche aufgerissen, er
will nicht nur das von ihm favorisierte "Musiktheater für die Region"
machen - sondern, man beachte diese Gegenüberstellung, - eine "echte
Fusion" herbeiführen. Was bringt Bautzen also ein? Was tut sich dort,
was es in Görlitz nicht gäbe? Jan Richard Kehl, Chefregisseur und
Leiter des Musiktheaters in Bautzen, kann auf diese Frage so eloquent gar
nicht antworten. Er hat natürlich auch die Region im Blick, wenn er
in Bautzen Musiktheater macht.
2. O-Ton: "Das ist Eine Zusammensetzung ... man kann auch mit 'Fledermaus' langweilen."
Das hat Jan-Richard Kehl nun ganz gewiß nicht
getan. Die Maus flederte ihm hinreichend flott von der Hand und zeigte gelegentlich
kleine Krallen. Am weitesten wagte sich die Hauskapelle beim Fürsten
Orlowski vor. Mitten im weinseligen Duidu leitet die Tanzmusik ganz sanft
in hymnische Gefilde über. Auferstanden aus Ruinen in Einigkeit und
Recht und Freiheit - man kann sich's aussuchen. Bei der Premiere hätten
Provinzfürsten gezetert und am liebsten verboten. Aber die gute alte
Zeit ist vorbei und nur Frosch fand früher die Gefängnisse besser.
Keine Diskussion gab es allerdings über das stimmliche Niveau der Produktion.
Wieviele gute Sänger muß der freie Markt zu bieten haben, daß
man eine derart wohlklingende und spielbegabte Besetzung an einem Mittwochnachmittag
um 14 Uhr in Zittau hören konnte. Das Gerhart-Hauptmann-Theater war
so voll, daß zusätzliche Stühle aufgestellt werden mußten.
(...)
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