Von Italien inspiriert -
in Dresden geschaffen
"Dafne" am Deutsch-Sorbischen Volkstheater
Bautzen
Von Friedbert Streller
Während die Initiatoren der Dresdner Musikfestspiele zu ihren Aufführungen mit "Italienern in Elbflorenz" von weither Ensembles einkauften, haben sie die Sensation zu diesem Thema vor der Tür wohl übersehen. Das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen, schon immer für experimentelle Aufführungen wenig bekannter Werke ein Anziehungspunkt, brachte diesmal eine der ältesten erhaltenen deutschen Opern heraus. Zwei jüngere, italienische Zeitgenossen von Heinrich Schütz , am Dresdner Hof - G. A. Bontempi und M. G. Peranda - schufen 1679 das "Drama oder Musicalische Schauspiel Dafne". Der Text War durch die Übersetzung Martin Opitz' inspiriert, der die erste Oper "Dafne" von Peri (Text: Rinuccini) 1627 für Schützens leider verloren gegangenes Werk bearbeitete. Die beiden Italiener erweiterten ihn um volkstümliche Akzente, entheroisierten die Götter und bezogen einen Jäger und einen Sackpfeifer in die von Ovid überlieferte Geschichte von Dafne ein. Bontempi, in Venedig als Sänger groß geworden, kannte die dortige Operntradition von Monteverdi und Cavalli.
Historische Musik und moderne Szenerie
Der Klang des einen, die volksverbundene Konzeption des anderen zeigt sich in dem Dresdner Werk. An diesem Wochenende hatte die Oper "Dafne" in Bautzen Premiere. Musikalisch im original historischen Rahmen, wuchs sie inszenatorisch durch Jan-Richard Kehl in eine moderne Szenerie (phantasievoll überzeugend die Ausstattung von Claudia Jenatsch).
Die Götter in Zivil reisen als Schiffsoffiziere und illustre High-Society per Dampfer an die Wüstengestade Ägyptens. Die naturkindhafte Dafne wirkt fremd unter ihnen. Ein Jäger verfolgt sie. Aber sie entgleitet in den Weiten der Wüste (im Bild und mit Lichteffekten geschickt arrangiert). Eingeborene, Hirten kommen an Bord, staunen und werden als Exoten erotisch assimiliert. Göttliches und Menschliches vermischt, sich. Apollo, ein Dandy, von den Pfeilen Cupidos getroffen, verfolgt Dafne mit seiner Leidenschaft. Kätha, Kapitänstochter, verliebt sich ganz gegen den Willen des Vaters, der meint, daß nur reich zu reich sich geselle, in den Sackpfeifer Jäckel. Damit sind die dramaturgischen Knoten geknüpft, die in fünf Akten verfestigt und schließlich wie der gordische durch Dafnes Metamorphose in einen Baum und Käthas Entscheidung für den Habenichts zerschlagen werden.
Die Aufführung ist durch amüsante Einlagen buffonesk aufgelockert,
einfallsreich arrangiert. Die Musik unter der Leitung von Friedemann Schulz,
einem ehemaligen Kruzianer, der denn auch am Anfang mit dem Prolog des Ovid
sängerisch einstieg, hatte Niveau und Stil. Die Sänger - durchweg
junge Leute, meist Absolventen der Berliner Eisler-Hochschule - bewährten
sich in den mit zeitstilistisch eigenen Koloraturen versehenen Soli und den
madrigalhaften Ensembles. Nur der Schluß, der bleibt unklar. Kätha
und Jäckel finden sich. Aber Dafne in holziger Verfassung wandelt durch
den Saal? - Ansonsten ist das eine Aufführung, die nicht nur verdienstvoll,
sondern auch wert ist, in Gastspielen Verbreitung zu finden.
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