Opernglas 04/1999

Mit einer ungewohnt realistischen, auf folkloristische Romantik verzichtenden Inszenierung Smetanas »Die verkaufte Braut« hat Jan-Richard Kehl am Theater Zwickau auf sich aufmerksam gemacht. Kehl, der bis zum Ende der laufenden Saison noch als Leiter des Stagione-Musiktheaters in Bautzen tätig ist, verlegte die Handlung in eine von Melancholie erfüllte Kneipe, die die frühere Wernicke-Assistentin Stefanie Pasterkamp auf der Bühne des Gewandhauses naturgetreu nachgebaut hat. Das Szenenfoto mit Hasso Wardeck (Kecal) und Kai Konrad (Hans) vermittelt einen Eindruck, von der rustikalen Atmosphäre des Einheitsbühnenbildes. Deutlich herausgearbeitet hat der junge Regisseur die tragische Dimension der Komödie, in der bei genauem Hinsehen auf ziemlich rücksichtslose Weise mit Gefühlen gespielt wird. Mit ihrer differenzierten Charakterisierung der Marie ist die vom Premierenpublikum mit viel Beifall bedachte Katrin Kapplusch diesem Aspekt voll gerecht geworden, und auch GMD Welisar Gentscheff unterstützte den Regieansatz, indem er dramatische Untertöne der Partitur betonte.
 
 

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