Datum: 17.02.2003
Zwei Modellversuche
Doppelpremiere am Landestheater
Flensburg
Christoph Kalies
Gibt es Erlösung durch Liebe? Diese Frage diskutieren die Bühnenstücke
"Der wunderbare Mandarin“ (1918) und "Herzog Blaubarts Burg" (1911) von Béla
Bartok. Choreografin Stela Korljan und Regisseur Jan-Richard Kehl stellten
ihre gefeierte Doppelpremiere am Landestheater denn auch unter das Motto
"Einsamkeit, Liebe, Erlösung - zwei Modellversuche".
Versuch eins:
…
Versuch zwei: Spielt der "Mandarin" auf leerer Bühne vor senkrechten
Neonleuchten, lässt Ausstatter Hansjürgen Baumhöfner
für „Herzog Blaubarts Burg“ transparente Stoffbahnen von der Decke hängen,
und taucht die Szene in düster-mysteriöses Licht. In dieses Seelen-Labyrinth
führt Blaubart seine Geliebte Judith. Was die beiden hervorragenden
Sänger Gail Gilmore und Allan Evans dann vorführen, ist ein Geschlechterkampf
von kammerspielhafter Intensität: Sie will alle seine Geheimnisse kennen,
er sich ihr am liebsten gar nicht öffnen. Sopranistin Gilmore (mit enormer
Kraft in allen Tonlagen und Mut zu bisweilen naturalistisch unfeiner Tongebung)
agiert aktiv fordernd; Evans' Blaubart (mit herrlich klarem Bassbariton)
wirkt als Getriebener, von Anfang an verzweifelt. Am Ende bleibt beiden nur
Dunkelheit.
Auch musikalisch sind die Stücke packend; Teile des groß besetzten
Orchesters unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gerard Oskamp mussten
auf einer Galerie auf der Bühne Platz nehmen, was der klanglichen Ausgewogenheit
(besonders zusammen mit den Sängern) aber keinen Abbruch tat. Die brutal
treibenden Rhythmen im „Mandarin“, seine schmerzhaften Dissonanzen und die
fremdartigen Vokalisen des Chors wurden wirkungssicher umgesetzt. Die impressionistischen
Klänge im "Blaubart" (Schatzkammer) hätte man sich dagegen etwas
schillernder gewünscht. Doch auch hier bleibt der Eindruck einer gelungenen
Umsetzung. Gibt es Erlösung durch Liebe? Diese Frage bleibt offen.